„Kein Schauspiel sehen“: Handke-Inszenierung in Klagenfurt

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Ein „verbales Rockkonzert“ nannte Peter Handke sein frühes Sprechstück Publikumsbeschimpfung einmal in einem Interview (mehr dazu hier), im Jahr seiner Uraufführung 1966 sollte der in Griffen geborene Schriftsteller auch dank der Veröffentlichung des Romans Die Hornissen und seines skandalträchtigen Auftritts bei der Autorenvereinigung Gruppe 47 in Princeton schlagartig zu einem Fixstern am Literaturhimmel werden; heute ist der unweit von Paris lebende Handke, mit einem Ehrendoktorat der Universität Klagenfurt ausgezeichnet und nun doch für den Goldenen Landesorden vorgesehen, ein Weltstar und regelmäßiger Kandidat für den Nobelpreis.

Anlässlich seines 75. Geburtstags wurde in den Klagenfurter Kammerlichtspielen die Publikumsbeschimpfung von Ute Liepold neu inszeniert. Eine geplante Aufführung in Handkes Heimat Griffen hatte der Autor abgelehnt, um die Bewohner davor zu beschützen, von der Bühne herab angesprochen und in ihrer Neugier entlarvt zu werden. Die schwierige Beziehung zwischen der ländlichen Heimat und dem Weltliteraten diskutierten zuletzt auch die Schüler/innen von 3AK und 5BK der Praxis-HAK Völkermarkt.

Eine Gruppe von Schüler/innen besuchte als Abschluss des Projekts die Aufführung in der Landeshauptstadt und erlebte ein Stück der besonderen Art. „Sie werden kein Schauspiel sehen. Ihre Schaulust wird nicht befriedigt werden. Sie werden kein Spiel sehen. Hier wird nicht gespielt werden.“ Mit diesen Worten eröffneten die vier Darstellerinnen den Abend, ehe sie sich unters Publikum mischten, um ihm zu zeigen, selbst ein Teil der Inszenierung zu sein. Johannes Hobel und David Krassnig (beide 3AK) bewiesen dies durch einen Kurzauftritt auf der Bühne, bei dem sie sich von den Schauspielerinnen beklatschen ließen. „Das Stück hat den Jugendlichen wohl sehr deutlich gezeigt, dass Literatur und Theater nicht verstaubt sind. Es war ein eindrucksvoller Abend“, so Prof. Martin Erian als Deutschlehrer der beiden Klassen.