Bunt starteten die 3. Klassen in die neue Woche: Sie erhielten Besuch vom Verein Queerinthia. Klara Mydia und Syphia Lis erklärten den Schüler_innen alles über das Leben als Dragqueens, zeigten geschichtliche Aspekte der LGBTQIA* auf und wiesen immer wieder darauf hin, wie wichtig Toleranz in allen Bereichen des Lebens ist. 

Begriffe wie Trans, Drag, Queer uvm. sind die SchülerInnen nun keine Fremdwörter mehr. „Unsere Gäste gingen auf alle Fragen der Schülerinnen und Schüler ein und die anfangs vorherrschende Schüchternheit bzw. Zurückhaltung verging nach wenigen Minuten durch die offene und witzige Art und Weise des Vortrags“, erklärt Organisatorin Prof. Claudia Eberhard.

Bei den beiden Dragqueens gab es keinen Frontalvortrag, sondern interaktive Gespräche und Diskussionen. Schlagwörter der Schüler_innen, die ihnen als Erstes in den Sinn kamen, als sie sie sahen, waren: coole Haare, mal etwas anderes, oh mein Gott, wie groß sie sind, …

Zum Schluss gab es noch ein Goodiebag von Queercarinthia an die SchülerInnen der 3. Klassen mit Infomaterial, Kondomen und einem Tanktop. Ein schöner Einstieg in die Woche und weiterer Schritt in Richtung mehr Toleranz in Kärnten.

Am Donnerstag, 7. April 2022, besuchten Peter Grilliz und Markus Druml die vierten Jahrgänge der Praxis-HAK in Völkermarkt. Im Rahmen des Projektes The Love Parade. Sexualität im Wandel der Zeit erzählten sie den Klassen aus ihrem Leben.

Zu den Schwerpunkten des Gespräches gehörten die Eintragung gleichgeschlechtlicher Paare, die Ehe für Homosexuelle sowie die Segnung homosexueller Paare. Dabei wurden die rechtlichen und religiösen Perspektiven gemeinsam mit den Schüler_innen beleuchtet.

„Du bist wie du bist und das ist gut so! Du bist aber auch nicht mehr oder weniger wert, wenn du anders bist!“

– Peter Grilliz

Wir sind den beiden für das Vertrauen, die Zeit, die sie bei uns verbracht haben, und das offene Gespräch sehr dankbar.

Im Rahmen des Projekts The Love Parade. Sexualität im Wandel der Zeit beschäftigt sich die 2AK aktuell im Deutschunterricht mit dem Roman Wunschleben von Vera Nentwich. Anja Köhler, die Protagonistin, lebt erst seit ihrer Genitalkorrektur als Frau und wagt sich nach Jahren der selbstgewählten Isolation Schritt für Schritt ins (Liebes-)Leben.

Als Höhepunkt der Auseinandersetzung mit dem Roman gastierte heute die deutsche Autorin Vera Nentwich online im Unterricht und stellte sich den Fragen der Klasse. Besonders im Fokus standen der 2010 fertiggestellte Roman sowie der persönliche Zugang der Autorin zum Thema. „Dieser Roman war mein erstes Buch und natürlich ging es auch darum, meinem eigenen Leben Sichtbarkeit zu geben.“

Trotzdem verwehrt sich Nentwich dagegen, den Roman autobiographisch zu deuten. „Natürlich gibt es Parallelen und Bezüge, allerdings auch zu anderen Personen mit ähnlichen Erfahrungen. Ich bin ein anderer Typ als die Hauptfigur, ich könnte mich nicht so sehr zurückziehen, wie sie es tut“, so Nentwich, die sich selbst als „Frau mit männlichem Migrationshintergrund“ bezeichnet. „Der Begriff ‚Trans-Frau‘ relativiert aus meiner Sicht die Weiblichkeit zu sehr.“

Mit Blick auf den Roman erklärt Nentwich, dass nicht der medizinische Eingriff der Schlüsselmoment sei. „Der Knackpunkt findet sich häufig erst Jahre später, wenn es darum geht, seine neue Identität zu erkennen und damit zu leben.“ Als Role Model dafür wolle sie sich nicht sehen („Dafür bin ich wohl nicht der Typ.“), dennoch geht Nentwich selbstbewusst und vor allem humorvoll mit dem Thema um, auch in einem eigenen Kabarettprogramm mit dem Titel Frausein ist auch keine Lösung.

Ein besonderes Highlight: Julian Ograjensek, Schüler der 2AK, präsentierte live einen Text, den er zum Roman verfasst hat – und berührte damit die Autorin. Den Text finden Sie auf unserem Kulturblog.

Foto: Thomas Nentwich

Einblicke in die Arbeit als Autorin

Nentwich, die in Willich am Niederrhein lebt und als studierte Verfahrenstechnikerin heute als selbständige Unternehmensberaterin aktiv ist, gab den Jugendlichen zudem Einblicke in ihren Alltag als Autorin. „Ich bin eine Morgenschreiberin und versuche als Start in den Tag konsequent an meinen Projekten zu arbeiten. Ein Roman schreibt sich nicht in einem Zug, es ist eher wie beim Verspeisen eines Elefanten: Es geschieht in kleinen Stücken.“ Wunschleben, ihr Erstlingswerk, fand lange keinen Verlag, mit anderen Texten versuchte sich Nentwich im Selfpublishing. „Jährlich erscheinen gut 120.000 Bücher. Da ist es nicht einfach, die Zielgruppe zu erreichen.“

Seit rund einem Jahrzehnt verantwortet sie ihre Projekte weitestgehend selbst. „Kosten entstehen für das Lektorat und das Coverdesign, andere Dinge übernehme ich selbst. Als kleinere Autorin verdiene ich dadurch besser, als wenn ein großer Verlag meine Werke als Taschenbuch drucken würde“, erklärt Nentwich, die sich selbst im Deutschen Selfpublisher-Verband engagiert. Wunschleben erschien schließlich im Größenwahn-Verlag. „Reich und berühmt werden ist sicher noch ein Ziel“, lacht Nentwich.

Mehr zu Vera Nentwich finden Sie hier: https://www.vera-nentwich.de/

Wie und wen man liebt, kann man sich nicht aussuchen – aber wir können Akzeptanz und Vielfalt in der Gesellschaft fördern. Rein rechtlich hat sich viel getan in Österreich: Es gibt die Ehe für alle seit 2019 und auch die Adoption für schwule und lesbische Paare ist in Österreich möglich. Jedoch sind immer noch gewisse gesellschaftliche Normen und stereotypes Denken in den Köpfen vieler Menschen verankert.

Zwei Vertreter der RosaLila PantherInnen, LGBTIQ-Interessensvertretung aus Graz, gestalteten heute gemeinsam mit den 4. Klassen einen Workshop im Rahmen des Schulprojektes The Love Parade. Sexualität im Wandel der Zeit.

Der Workshop war in unterschiedliche Blöcke aufgeteilt. Er reichte von einem Brainstorming zum Thema Liebe zu Beginn über historische Entwicklungen der Gesetzeslage in Österreich bis hin zu einer Black Box. Hier konnten die Schüler_innen anonyme Fragen an das Team rund um Martin Gerdenitsch-Petzwinkler stellen, die dann auch sehr offen und ehrlich beantwortet wurden.

Hier noch einige Kommentare von Schüler_innen der 4ABK:

  • „Es war spannend und auch noch einmal anders, wenn man mit Personen spricht, die aus der Community kommen.“
  • „…wir waren frei und konnten normal mit ihnen reden.“
  • „Der Workshop war freundlich, locker gestaltet und informativ.“

Prof. Wiedenbauer, die den Workshop organisiert hat, hielt sich bewusst zurück und war beim Workshop nicht anwesend: „Es redet sich leichter und offener, wenn keine Lehrpersonen dabei sind. Es ist wichtig, den Schüler_innen diesen Raum zu geben und auch die Möglichkeit frei und ungehemmt zu agieren.!


Die Schüler_innen aus 2BK, 4AK und 4BK auf den Pfaden von Keith Haring und weiteren hochkarätigen Künstlern und Künstlerinnen: Im Unterrichtsfach Naturwissenschaften wird die Stilrichtung Pop Art durch Pappmaché- sowie Collagen- und Übermaltechnik kunstvoll umgesetzt und neu interpretiert.

Neben den wirtschaftlichen Schwerpunkten an der Praxis-HAK Völkermarkt bieten wir unseren SchülerInnen auch Einblicke in die bildende Kunst zu gewinnen. Im Rahmen des diesjährigen Projektes mit dem Titel The Love Parade. Sexualität im Wandel der Zeit haben die Schüler_innen so auch die Möglichkeit der künstlerischen Auseinandersetzung mit diesem Thema. Und ihr Zugang dazu ist sehr vielfältig – „divers“ – und entlockt den Jugendlichen auch ihre kreative Seite.

Mit viel Engagement und sehr beherztem Arbeiten entstehen wundervolle Kunstwerke, welche am Ende des Projektes im Rahmen einer Vernissage präsentiert werden.

Am Montag, den 7. März 2022 startet die Fachgruppe Gesellschaft und Kultur der Praxis-HAK Völkermarkt mit den Schüler_innen in einen Projektmonat. Der Titel lautet „The Love Parade – Sexualität im Wandel der Zeit“.

An diesem Projekt sind die Gegenstände Deutsch, Geografie und Wirtschaftskunde, Naturwissenschaften, Politische Bildung und Geschichte, Recht und Religion mit unterschiedlichen Schwerpunkten beteiligt.
Die Schüler_innen sollen sich aus unterschiedlichen Perspektiven einem gemeinsamen Thema annähern, über dieses diskutieren und ihren Horizont somit erweitern.

Der Projektmonat endet am Donnerstag, 7. April 2022. Das Ergebnis wird in Form einer Vernissage und der Vorstellung einer Broschüre, die im Laufe des Projektes entstehen soll, präsentiert werden.

Projektteam: Prof. Tanja Kramer (Koordination), Prof. Claudia Eberhard, Prof. Martin Erian, Prof. Andrea Knauder, Prof. Christoph Kunter, Prof. Rosemarie Puff und Prof. Daniela Wiedenbauer