Kurz vor dem Start ins neue Schuljahr erscheint es wie der perfekte Abschluss zum auslaufenden Jahresthema Nachhaltig die Region gestalten: Absolventin Verena Mischitz veröffentlichte zuletzt gleich zwei Beiträge am Blog flow des Energiekonzerns Verbund in der Serie „ichkannklimaschutz“. Mischitz formulierte dabei ihre Gedanken, wie jede/r im Alltag, beim Einkauf oder auf Reisen durch verantwortungsvollen Konsum einen Beitrag zu einer gesunden Umwelt beisteuern kann:

Konsumgewohnheiten tragen dazu bei, wie und in welche Richtung sich eine Gesellschaft entwickelt. […] Menschen, die minimalistisch leben, treffen Kaufentscheidungen bewusst, übernehmen diese Verantwortung gegenüber Gesellschaft und Natur und leisten somit einen Beitrag zum Klimaschutz.

Verena Mischitz‘ Plädoyer für den Minimalismus

Dabei möchte die Studentin Menschen nicht zum Verzicht zwingen, sondern die Lust darauf entfachen, dass etwa im Kleiderschrank anstelle von Massenware nur ausgewählte Lieblingsteile hängen könnten. „Man kann und soll sich durchaus Dinge leisten – nur weniger, dafür qualitativ hochwertiger und nachhaltiger.“

Mischitz, die 2017 an der Praxis-HAK Völkermarkt maturiert hat, absolvierte zuletzt ein zweimonatiges Praktikum in der Kommunikationsabteilung der Verbund AG, die, so Wikipedia, 40 Prozent des österreichischen Strombedarfs deckt und nach eigenen Angaben mittlerweile fast ausschließlich mit klimafreundlicher, erneuerbarer Wasserkraft Energie erzeugt. Mischitz war Teil des Social-Media-Teams und konnte auch thematisch einige Akzente setzen: „Nachhaltigkeit spielt im Unternehmen eine große Rolle. Da konnte ich mich ein wenig einbringen und auch andere Themen als grünen Strom aufgreifen.“

Die Praxis-HAK-Absolventin studiert an der Universität Wien Publizistik und Politikwissenschaften. In Publizistik ist mit dem Wintersemester der Bachelorabschluss geplant, Masterstudien in beiden Fächern sollen folgen. Beruflich ist der Journalismus ihr großes Ziel – und Mischitz sammelt weiter Praxiserfahrung. Bei HeartOut Clothing, der Gründung ihres einstigen Mitschülers Stefan Robinig, kümmert sie sich um den Bereich Kommunikation.

Nicht nur für die Schüler/innen der Praxis-HAK Völkermarkt, sondern auch für junge Absolvent/innen sind die Sommermonate eine Phase der spannenden Praktika, um im In- und Ausland an ihrer künftigen Karriere zu basteln und Geld dazuzuverdienen.

Nicole Burger, Maturantin des Jahres 2018, arbeitete auch in diesen Wochen wieder für die Raiffeisenbank Eberndorf – ein idealer Job, um die erworbenen Wirtschaftskompetenzen einzusetzen. Schon im vergangenen Sommer war sie für die Raiffeisenbank aktiv und bloggte daraufhin über ihren Weg, besonders über die soeben absolvierte Reife- und Diplomprüfung:

Die „Maturazeit“ war für mich eine besonders prägende Phase, denn ich konnte viele Erfahrungen und Eindrücke sammeln. Ich war Situationen ausgesetzt, wie ich sie vorher noch nicht kannte. Es war eine Zeit, in der ich mich und meine Grenzen noch besser kennenlernen durfte.

Fünf Jahre arbeitet man darauf hin, das Reife- und Diplomprüfungszeugnis in den Händen halten zu dürfen. Es ist ein unbeschreibliches Gefühl. Ein Gefühl der Erleichterung, aber auch ein Gefühl der Ungewissheit, denn nun ist man an dem Punkt angekommen, an dem man sich mit einer ganz zentralen Frage auseinandersetzen muss: Wo soll es hingehen?

Nicole Burger im Sommer 2018

Das Comeback in der Bank täuscht: Burger zieht es in eine ganz andere Richtung. Seit Herbst 2018 absolviert sie wie auch Jahrgangskollegin Veronika Pudgar den Studiengang Gesundheits- und Krankenpflege an der Fachhochschule Kärnten und hat für sich den idealen Weg gefunden, auch dank der vielen Berufserfahrungen seit Schultagen. In ihrem neuen Blog berichtet sie auch über Selbstzweifel:

Trotz alledem, heute sitze ich hier und bin unendlich stolz auf mich selbst! Ich habe die ersten zwei Semester an der Fachhochschule mit Bravour gemeistert und diese schwere Zeit überstanden. Durch all die Startschwierigkeiten habe ich ein noch viel größeres Selbstbewusstsein gewonnen.

Der steinige Weg zum großen Ziel: Ich werde Leben retten!

Nicole Burger verfolgt ihren Traum

Den gesamten Text finden Sie hier.


Übrigens: Bereits im letzten Jahr schaute Burger an ihrer mittlerweile „alten“ Schule vorbei, teilte Erfahrungen und sprach den damaligen angehenden Absolvent/innen der Handelsschule Mut zu:

„Mit dem richtigen Ziel und dem notwendigen Einsatz kann man alles schaffen.“ Gertrud Drobesch hat es mit ihrem Weg vorgemacht: Sie hat als Absolventin der Praxis-HAK Völkermarkt mit gezielten Schritten eine Karriere hingelegt, die sie in eine Spitzenposition in einem großen Konzern gebracht hat. Nach Matura, Studium, Praktika und verschiedenen Projekten steht sie nun bereits seit 2005 an der Spitze der Personalabteilung der Donau Versicherung und bezeichnet sich als „beruflich angekommen“. Mit Schulfreunden steht sie bis heute in Kontakt – und Tipps hat sie für die nächste Generation.

Von der Praxis-HAK Völkermarkt über die Wirtschaftsuniversität Wien in die erweiterte Geschäftsführung der Donau Versicherung. Bitte skizzieren Sie Ihren Weg.

Im Studium habe ich mich auf Versicherungswirtschaft spezialisiert und während dieser Zeit als Ferialpraktikantin in die Donau Versicherung hineingeschnuppert. Meine erste berufliche Station nach dem Studium war dann die IT-Abteilung der Wiener Städtischen Versicherung. Dort konnte ich mir umfassendes IT-Know-how aufbauen, in vielen interessanten Projekten mitwirken und diese später auch leiten. Mein größtes IT-Projekt war die Einführung von SAP-HR in der Gehaltsverrechnung für den gesamten Konzern, wo ich nach Abschluss des Projektes die fachliche Leitung der Abteilung übernehmen durfte. Seit 2005 leite ich die Personalabteilung der Donau Versicherung –  damit bin ich beruflich angekommen.

Ihre Biografie liest sich wie ein stetiger Weg nach oben. Wie gelingt dieses Kunststück?

In einem Konzern stehen viele Karrierewege offen. Drei Dinge sind aus meiner Sicht wesentlich, um den richtigen einzuschlagen: konkrete Ziele setzen, mit offenen Augen durch die Welt gehen und das, was man gerade tut, soll man mit Herzblut machen. Ich habe mich nach meinem BWL-Studium gezielt in einer IT-Abteilung beworben, weil mir klar war, dass das die Zukunft sein wird und bei mir hier eine Wissenslücke bestand – die habe ich geschlossen. In meine Aufgaben habe ich immer viel Engagement gesteckt. So konnte ich Vertrauen bei Kollegen und Vorgesetzten aufbauen und habe mich dadurch für Positionen mit mehr Verantwortung qualifiziert.

Seit knapp eineinhalb Jahrzehnten sind Sie mittlerweile Personalchefin eines Unternehmens mit 1.400 Mitarbeiter/innen. Welche Aufgaben zählen zu Ihrem Arbeitsalltag?

Mein Aufgabengebiet ist sehr abwechslungsreich und vielseitig. Es beinhaltet unter anderem die Suche von neuen Mitarbeitern, die Konzeption und Umsetzung von Aus- und Weiterbildungsangeboten und -maßnahmen, ich bin für die Kosten und Ressourcenplanung verantwortlich. Darüber hinaus setzen mein Team und ich eine Reihe von Personalentwicklungsmaßnahmen, wie z.B. die Karriere- und Nachfolgeplanung. Nicht zu vergessen ist natürlich auch die pünktliche Verrechnung und Auszahlung der Gehälter.

Die Arbeitswelt befindet sich im Umbruch. Wie können Sie Ihre Kolleg/innen dabei unterstützen?

Die Personalentwicklung ist eine meiner Kernaufgaben. Gemeinsam mit meinem Team entwickle ich Programme, die Mitarbeiter und Führungskräfte auf die Anforderungen von morgen vorbereiten. Fachlich und persönlich. Wesentlich ist dabei, die Potenziale von Menschen zu erkennen und entsprechend zu fördern. Wir stellen die richtigen Tools und Weiterbildungsmöglichkeiten zur Verfügung, damit uns das gut gelingt.

Junge Menschen stellen sich heute die Frage, ob ihr Traumjob in einigen Jahren überhaupt noch existiert. Wie verändern sich die Anforderungsprofile in Ihrer Branche?

Prozesse verändern sich ebenso wie die Kommunikationsmittel, die Digitalisierung beschleunigt die Arbeitswelt. Wir alle entwickeln uns mit ihr mit – der eine schneller und mit mehr Freude, der andere ist vielleicht nicht gleich bei den Ersten dabei, die neue Technologien nutzen wollen. In der Versicherungsbranche gibt es eine Konstante – vor allem in der Beratung: Das ehrliche Interesse am Gegenüber. Das macht die Aufgaben als Versicherungs- und Vorsorgeberater so spannend und für viele zu einem echten Traumberuf.

Umgekehrt gefragt: Wenn es den Versicherungsvergleich per Suchmaschine und den Berater als Social Bot gibt, ist ein Versicherungsunternehmen dann überhaupt noch ein attraktiver Arbeitgeber?

Auf jeden Fall, weil sich das Grundbedürfnis nicht geändert hat. Menschen brauchen Sicherheit. Wir geben unseren Kunden diese, indem wir mit ihnen darüber sprechen und zeigen, wie wir sie absichern können – gegen Unvorhergesehenes, bei Unfall, Krankheit oder Tod. Es geht um sehr persönliche Themen und die wird man auch in Zukunft mit einem Menschen besprechen wollen, der aufmerksam ist und professionelle Beratung bietet. Die Qualität zeigt sich dann bei der Leistungserbringung im Schadensfall.

Ihre eigene Schulzeit an der Praxis-HAK Völkermarkt liegt einige Jahre zurück. Wann hatten Sie zuletzt Kontakt zur Schule bzw. zu einstigen Klassenkamerad/innen?

Beim 20-jährigen Maturatreffen hatte ich den letzten Kontakt zur HAK. Zu einzelnen Klassenkameraden besteht bis heute eine Verbindung – einer davon ist seit der Schulzeit mein bester Freund.

Welche Erinnerungen, etwa an besondere Situationen, dominieren in Ihrem Gedächtnis?

Ich bin heute sehr dankbar für die gute wirtschaftliche Ausbildung, die die Basis für mein Studium und letztlich auch für meinen Beruf waren. Meine Lieblingsfächer waren Sport, Mathematik – und die Pausen mit den Schulkollegen. Gerne denke ich auch an einige Lehrer, die mir Vorbild und Wegbegleiter waren – unter anderem mein Klassenvorstand Valentin Blantar oder mein Deutschlehrer Manfred Pototschnig.

Was hat die Schule mit Blick auf Ihre eigenen Erfahrungen, aber auch auf die Gegenwart jungen Menschen mitzugeben?

Mit dem richtigen Ziel und dem notwendigen Einsatz kann man alles schaffen. Das Leben eröffnet einem viele Chancen. Wichtig ist es, sie zu erkennen und jene zu ergreifen, die zu den eigenen Fähigkeiten und Interessen passen. Seine Talente herauszufinden und die eigenen Stärken zu stärken, ist das Erfolgsrezept für ein zufriedenes, erfolgreiches Berufsleben. Dafür kann die Schule meines Erachtens den Grundstein legen.

Energie hatte sie schon immer, Absolventin Nicole Höchtel, die 2014 an der Praxis-HAK maturierte. Und eben diese Energie lässt sie einen Weg gehen, der nicht ganz alltäglich ist. Hier verrät sie, wie ihr Werdegang nach der Reife- und Diplomprüfung verlief.


Kurz bevor ich mein Reife- und Diplomprüfungszeugnis erhielt, stellte ich mir selbst die Frage, was ich mit meinem weiteren Leben und der neu gewonnen Freizeit anfangen möchte. Dank der praktischen Erfahrungen (Praktika, Übungsfirma etc.), welche ich in den fünf Jahren des Besuchs der Praxis-HAK sammeln durfte, stand meine Entscheidung nach kurzem Überlegen fest. Diesbezüglich möchte ich hier rückblickend ein großes Lob an die Schule aussprechen, da unsere Professor/innen immer versucht haben, die Schüler/innen individuell zu fördern und deren Stärken auszuloten und auszubauen und mögliche Schwächen zu kompensieren.

Durch diese individuelle Förderung fand ich heraus, dass ich ein besonders kommunikativer Mensch bin, welcher große Freude daran hat sich mit Menschen, im Besonderen mit Kindern, zu beschäftigen.

Durch das Erkennen meiner Stärken und in Verbindung mit meinem Hobby, dem Reisen, wuchs in mir der Entschluss, dass ich das Angenehme mit dem Brauchbaren verbinden könnte – so entschied ich mich für ein Lehramtstudium in den Fächern Deutsch und Geografie in Klagenfurt.

Vom Zuverdienst zur Herzensangelegenheit

Um mein Leben rund um das Studium finanzieren zu können, begann ich zeitgleich mit einem Kinderbetreuungsjob im Tourismusbetrieb Minimundus am Wörthersee. Ich hatte und habe nach wie vor die Aufgabe beispielsweise Kindergeburtstage, Kinderanimationen und dergleichen zu organisieren und durchzuführen.

Da meine freundliche und offene Art bei den Gästen aus vielen Ländern Europas scheinbar gut ankam, wurde ich nach kurzer Zeit gebeten auch Führungen in verschiedenen Sprachen durch das Gelände für Groß und Klein anzubieten. Dies ist eine Tätigkeit, die meinem offenen Naturell sehr entgegenkommt und daher viel Freude bereitet.

Da Minimundus vom Verein „Rettet das Kind“ gegründet wurde und dieser nach wie vor noch der Eigentümer des Betriebes ist, blieben meine Tätigkeiten dort nicht unentdeckt und so wurde ich immer öfters gebeten, für den Verein beispielsweise bei Charityveranstaltungen, Pressekonferenzen oder dergleichen tätig zu sein.

Non scholae sed vitae discimus

Mein Studium habe ich zwischenzeitlich natürlich immer weiter vorangetrieben und musste mich in den verschiedensten Schulen in Form von Praktika beweisen. Derzeit befinde ich mich im Endspurt und bin gerade dabei meine Diplomarbeit zu schreiben. Nach Studienabschluss plane ich die Laufbahn in der Schule einzuschlagen und möchte gerne als Lehrerin arbeiten. Gleichzeitig ist es aber auch mein Wunsch, weiterhin für den Verein „Rettet das Kind“ und Minimundus tätig zu sein.

Rückblickend lässt sich sagen, dass ich alle notwendigen Basiskompetenzen für meinen Werdegang an der Praxis-HAK erlernt habe – sei es die Kommunikationsfähigkeit in den verschiedenen Sprachen, das Fachwissen in den allgemeinbildenden und kaufmännischen Fächern oder der realitätsbezogene, praxisnahe Umgang mit alltäglichen kaufmännischen Problemstellungen aber auch zwischenmenschlichen Dingen.

Das Wichtigste, was ich aber lernen durfte, war, dass man mit genügend Fleiß und Strebsamkeit alles schaffen kann, was man will.

In einem lateinischen Sprichwort heißt es, dass wir nicht für die Schule lernen, sondern fürs Leben. Die Richtigkeit dieser Aussagen hat sich während meiner Schulzeit immer wieder bestätigt: Der Unterricht in der Praxis-HAK hat mich gelehrt, dass das Ganze aus mehr besteht als nur aus der Summe seiner Teile. Dank der Schule habe ich gelernt, dass Wissen nicht nur dazu dient, einfach konsumiert und verarbeitet zu werden, sondern um uns Schüler/innen aufs Leben vorzubereiten und uns als Menschen zu prägen. Danke dafür und für die tolle Schulzeit.

Bilder 3 und 5: Minimundus GmbH

Bereits mehr als zwei Jahre ist es her, dass Stefan Robinig als Jungunternehmer für Aufsehen sorgte. Mit seiner Künstleragentur Upstream Booking organisierte er – neben seinem Alltag als Schüler der Praxis-HAK Völkermarkt – Konzerte, beim Völkermarkter Wirtschaftstag saß er mit dem damaligen Staatssekretär Harald Mahrer am Podium. Nicht nur Mahrers Funktion hat sich geändert – er ist heute unter anderem Präsident der Wirtschaftskammer, des Wirtschaftsforschungsinstituts (WIFO) und des Generalrats der Nationalbank –, auch Robinig hat den nächsten Schritt gewagt.

Nach der bestandenen Matura – für die er gemeinsam mit Marie Messner, Verena Mischitz und Valentina Wutte mit Beute[l]schema Kärntens beste Junior Company auf die Beine gestellt hatte – im Juni 2017 übersiedelte er nach Wien. In die Bundeshauptstadt zog es Robinig fürs Studium, doch der Gründergeist ruht nicht. Vor kurzem präsentierte er HeartOut Clothing. Mehr dazu verrät er im Interview.

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Stefan Robinigs neuestes Projekt: HeartOut Clothing

Dein neues Projekt heißt HeartOut Clothing. Erkläre uns kurz, was es damit auf sich hat und welche Ziele du damit verfolgst.

HeartOut Clothing ist ein neues Slow-Fashion-Modelabel mit dem Ziel, nachhaltige und faire Kleidung zu einem niedrigen Preis anzubieten. Unsere Produkte werden unter strengen Kriterien hergestellt, um die Umwelt und Arbeiterinnen und Arbeitern in den Fabriken zu schützen. Durch die mehrfachen Zertifizierungen werden die Hersteller auch ständig von verschiedenen, unabhängigen Organisationen geprüft – nur so kann dieser Standard gesichert werden.

„Frei von Chemie. Voll mit Liebe“ – so lautet einer der Slogans von HeartOut Clothing. Aus der Sicht junger Menschen ist nachhaltige Kleidung aber meist kaum leistbar und eher uncool. Wie willst du die potenziellen Kunden vom Gegenteil überzeugen?

Nicht ausschließlich junge Menschen verbinden mit Öko-Kleidung den Stil der „Blumenkinder“, also z.B. Shirts mit Batik-Muster oder viel zu weiten Haremshosen, hauptsächlich die älteren Generationen stehen diesen sehr kritisch gegenüber, trotz dem stetig wachsenden Bewusstsein für Nachhaltigkeit. Wir von HeartOut sind der Meinung, dass es jede und jeder verdient hat, ganz egal welches Budget zur Verfügung steht, sich Kleidung leisten zu können, die weder die eigene Haut und die Umwelt verletzt, noch die Ausbeutung der Arbeiterinnen und Arbeiter in den Produktionsstätten unterstützt. Aus diesem Grund bestehen unsere Shirts ausschließlich aus qualitativ hochwertigen Rohstoffen, zeitlosen Designs und hautfreundlichen Materialien, zu einem Preis, mit dem wir auch mit großen Mainstream-Mode-Ketten mithalten können.

„Wir von HeartOut sind der Meinung, dass es jede und jeder verdient hat, ganz egal welches Budget zur Verfügung steht, sich Kleidung leisten zu können, die weder die eigene Haut und die Umwelt verletzt, noch die Ausbeutung der Arbeiterinnen und Arbeiter in den Produktionsstätten unterstützt.“

Frühere Klassenkolleg/innen sind im Netz mit Mode von HeartOut Clothing zu sehen. Wie unterstützen sie dich bei diesem Projekt?

Da wir ein noch kleines Modelabel sind, reichen unsere finanziellen Mittel leider nicht für großangelegte Werbekampagnen und so mussten wir bei unseren Shootings auf professionelle Models verzichten: Also wurden Freundinnen und Freunde gebeten, für das Label an einem – kalten! – Samstagnachmittag vor der Kamera zu stehen – und ich denke, die Ergebnisse sprechen für sich. Profis hätten es nicht besser machen können. Mit dabei waren u.a. meine ehemaligen HAK-Kolleginnen Verena Mischitz, die auch für die Designs der neuen Kollektion verantwortlich ist, und Janine Negrea, zu der ich schon seit Schulzeiten eine gute Freundschaft pflegte.

Wie schafft du es, Kleidung zu leistbaren Preisen tatsächlich nachhaltig zu produzieren? Wer sind dabei deine Partner?

Obwohl der Einkaufspreis für ethisch und ökologisch vertretbare Shirtrohlinge bis zu zehn Mal höher ist, als der von nicht fair produzierten und umweltschädlichen Produkten, ist es trotzdem möglich, wirtschaftlich zu arbeiten – trotz des niedrigen Verkaufspreises. Dahinter gibt es kein Geheimrezept, wir verringern lediglich unsere eigene Gewinnspanne. Der niedrige Preis sorgt natürlich oft für Verwunderung und kritische Betrachtung, weil er anscheinend suggeriert, dass darunter die Qualität bzw. die Strenge der Zertifizierung leide. Beides kann ich jedoch mit bestem Gewissen zurückweisen.

Nicht nur unsere Schüler/innen interessiert natürlich die Frage, welches Geschäftsmodell hinter dem Projekt steht. Welches Risiko gehst du ein? Wann möchtest du schwarze Zahlen schreiben?

Dadurch, dass wir die Shirts selbst bedrucken, können wir sehr flexibel sein und haben somit kein großes Lagerrisiko, da für jede Bestellung extra bedruckt wird. Somit können wir z.B. Designs, die bei unseren Kunden schlechter ankommen, einfacher aus dem Sortiment nehmen, ohne auf einem Altbestand sitzen zu bleiben: Dies führt dazu, dass wir auch mit einer größeren Anzahl an Designs experimentieren können. Somit haben wir eine geringe Kapitalbindung – und können hoffentlich schon gegen Ende des Jahres einen Gewinn erzielen.

Es ist nicht dein erster unternehmerischer Versuch, als Schüler warst du Geschäftsführer der erfolgreichen Junior Company Beute[l]schema. Helfen dir die Erfahrungen von damals heute weiter?

Selbstverständlich hat meine HAK-Ausbildung wesentlich zur Gründung von HeartOut Clothing beigetragen. Meine Diplomarbeit z. B. handelte vom Gründungsprozess eines Unternehmens: Dieses Wissen erleichterte den gesamten Vorgang natürlich sehr. Auch die Entwicklung von Geschäftsmodellen oder das Schreiben von Businessplänen wurde in der Schule sehr praxisnah vermittelt, was natürlich auch sehr hilfreich gewesen ist. Mit der Junior Company konnte dieses Wissen das erste Mal am realen Markt getestet werden und es stellte sich schon damals heraus, dass trotz der vielfältigen Ausbildung noch einiges mehr beachtet werden muss. Somit versuchte ich, mit HeartOut Clothing nicht dieselben Fehler zu begehen, die uns bei der Junior Company unterlaufen sind, und die gesammelten Erfahrungen in das neue Label miteinzubringen.

Was man nicht vergessen sollte: In erster Linie bist du Student. Welchen Weg hast du nach der Matura 2017 eingeschlagen – und wo soll er dich noch hinführen?

Im Herbst nach der Matura habe ich meinen Zivildienst in Klagenfurt angetreten und bin im Sommer darauf nach Wien gezogen. Deswegen habe ich aufgrund des Ortswechsels und Zeitmangels auch meine Künstleragentur aufgegeben. Im Wintersemester 2018 begann mein Studium des Umwelt- und Bioressourcenmanagements an der Universität für Bodenkultur und seit dem Jahreswechsel studiere ich zusätzlich Wirtschafts- und Sozialwissenschaften an der Wirtschaftsuniversität Wien.

Wir wünschen für die Zukunft alles Gute und freuen uns auf die nächsten Schlagzeilen!

„Komisch, aber doch vertraut.“ So beschrieb Christina Kummer ihr Gefühl, als sie ziemlich genau zehn Jahre nach der eigenen Matura erstmals wieder die Praxis-HAK Völkermarkt besuchte und mit den Schüler/innen der 1AK einen Workshop an jenem Ort abhielt, an dem sie einst selbst die Reife- und Diplomprüfung abgelegt hatte. Heute ist die Völkermarkterin ausgebildetete Legasthenie- und Dyskalkulietrainerin und hat sich mit ihrer „Praxis für individuelle Hilfe bei Lernbarrieren“ selbständig gemacht.

Von der Handelsakademie zum Coach für Lernschwächen – nicht gerade der typische Weg einer HAK-Absolventin. Wie kam es dazu?

Schon mit fünf oder sechs Jahren wollte ich Volksschullehrerin werden, nach der Matura 2009 studierte ich Erziehungs- und Bildungswissenschaften. Mein Ziel war es, eines Tages in der Nachmittagsbetreuung tätig zu werden. Das klappte dann schon während des Studiums, 2012 übernahm ich die Leitung der Nachmittagsbetreuung an der Volksschule Kühnsdorf. Dank der Unterstützung meines Umfelds konnte ich das Bachelorstudium berufsbegleitend abschließen, auch das Masterstudium hätte mich interessiert. Aber dann hat mich das Berufsleben nicht mehr losgelassen.

Sie entschieden sich dazu, die Ausbildung zur Legasthenie- und Dyskalkulietrainierin zu absolvieren. Warum?

Ich betreute viele Kinder mit Lese-Rechtschreib-Schwäche und war bald an einem Punkt, an dem ich den Kindern nicht mehr wirklich helfen konnte. Das Problem ist auch, dass Lernschwächen lange nicht erkannt werden, ein betroffenes Kind gilt dann halt als Zappelphilipp, als lästig. Von diesem konservativen Denken müssen wir weg. Es ist wichtig, früh zu reagieren bzw. zu agieren, um ein Werkzeug zu entwickeln, mit Schwächen umzugehen. Sie bleiben nämlich bis ins Erwachsenenalter erhalten und wirken sich auf viele Bereiche aus, nicht nur aufs klassische Lesen und Schreiben.

Vor einiger Zeit haben Sie sich mit Ihrer „Praxis für individuelle Hilfe bei Lernbarrieren“ selbständig gemacht. Wie sehen Ihre Pläne für die Zukunft aus?

Ich will das machen, was ich auch jetzt schon tue. Aber natürlich ist die persönliche Weiterentwicklung extrem wichtig, ich interessiere mich für eine Ausbildung zur Hörtrainerin, um meinen Klienten noch besser helfen zu können. Was viele nicht wissen, ist, dass Probleme der körperlichen Entwicklung häufig der Grund von Legasthenie sind. Die Akzeptanz für Lernschwächen wächst zwar in der Öffentlichkeit, aber auch Ärzte sind hier noch nicht immer offen genug. Mehr Aufklärung würde den verschiedensten Beteiligten sicher helfen, das ist auch mir persönlich ein großes Anliegen.

Was uns abschließend interessiert: Welche Kompetenzen, die Sie an der HAK erlernt haben, helfen Ihnen heute im Alltag als selbständige Trainerin besonders weiter?

In meinem Alltag als selbstständige Trainerin muss ich neben meinen pädagogischen Kenntnissen auch immer auf die Präsentation meiner Person und meiner Arbeit achten. Durch zahlreiche theoretische und auch praktische Übungen an der Praxis-HAK in Völkermarkt weiß ich sehr gut, dies in Szene zu setzen. Ebenso bei der Vorbereitung für Vorträge an Elternabenden, Informationsveranstaltungen oder eben auch bei Vorträgen an diversen Schulen kommt mir das Know-how meiner schulischen Laufbahn zugute.


Eine Heimkehrerin berichtet aus der Arbeitswelt: Nicole Prosen, ehemalige Schülerin der Praxis-HAK Völkermarkt und derzeit im ersten Lehrjahr als Hotel- und Gastgewerbeassistentin, stand im Rahmen des Ausbildungsschwerpunktes Marketing, Tourismus und Eventmanagement den Schülerinnen und Schülern Rede und Antwort.

Auf die Einstiegsfrage, was die Schülerinnen und Schüler mit der Arbeit im Tourismus verbinden, folgten die klassischen Antworten wie zum Beispiel: Arbeiten, wenn alle frei haben, viel Stress, schlechte Arbeitszeiten und Unterkünfte und vieles mehr.

„Nicole hat gezeigt, was den Tourismus so reizvoll macht. Es ist wunderschön, mit so vielen Menschen in Kontakt zu sein, viele neue Eindrücke zu sammeln und interessante Gespräche zu führen.“

– Prof. Theresia Müller-Tschischej

Nicole, selbstsicher, mit einem Strahlen im Gesicht, zeigte den Jugendlichen allerdings auch die schönen Seiten des Tourismus. Die Arbeit sei sicherlich zeitweise sehr stressig, meinte sie, und die Arbeitszeiten zum Teil ungünstig bzw. gewöhnungsbedürftig, aber sie hat auch ihre zwei freien Tage pro Woche und vor allem eine sehr abwechslungsreiche Arbeit. Sie serviert, arbeitet an der Rezeption und im Büro, erteilt den Gästen Auskünfte und hat Spaß und Freude an der Arbeit. Wichtig dabei ist einfach die Freude an der Arbeit mit Gästen und ein gutes Betriebsklima mit einem wertschätzenden Umgang und auch für junge Menschen realistische Karrierechancen.

„Mir hat auf jeden Fall die Ausbildung an der Praxis-HAK sehr geholfen und mir den Einstieg in das Berufsleben erleichtert. Kenntnisse im Bereich Unternehmensrechnung, Mathematik, Betriebswirtschaft und den Fremdsprachen waren besonders hilfreich. Wichtig ist es sicherlich, egal in welchen Bereich man im Tourismus einsteigt, offen und kommunikativ zu sein und ein wirkliches Interesse am Gast zu haben. Der Gast spürt die ehrliche Freude und Begeisterung.“

– Nicole Prosen, Kurzzeit-Heimkehrerin

Das Gespräch mit Nicole hat den Jugendlichen der 3AK sichtlich gutgetan, um aus der Sicht einer Jugendlichen zu hören, wie bunt und spannend die Arbeit im Tourismus sein kann. Dies war ein wertvoller Beitrag, um zu zeigen, dass plötzlich Dinge wie Arbeitszeit, Stress etc. an Bedeutung verlieren, wenn die Augen einer begeisterten angehenden Tourismusfachfrau leuchten.

1996 maturierte er an der Praxis-HAK Völkermarkt, ab 2020 soll er die Geschicke der Stadtgemeinde lenken: Vizebürgermeister Markus Lakounigg. Ursprünglich träumte er vom Pilotendasein beim Bundesheer, über die Kirchenbeitragsstelle und die Finanzverwaltung der Stadtgemeinde gelangte er schließlich nach Eberstein, wo er seit 2005 als Amtsleiter arbeitet. „Ein Studium war für mich kein Thema, auch weil ich zu wenige Informationen hatte. Das Programmieren, aber auch der Lehrerberuf hätten mich interessiert, ich war dann aber sehr schnell tief im Berufsleben drin. Trotzdem gab es kaum ein Jahr ohne Lehrgang, weil ich mich breit aufstellen und weiterentwickeln wollte.“

Mit der Praxis-HAK ist Lakounigg bis heute in regelmäßigem Kontakt, zahlreiche Geschichten verbindet er mit der eigenen Schulzeit. Höhepunkte gab es viele, etwa Reisen nach Wien und London sowie der Gewinn bei einem Aktienwettbewerb. „Ich erinnere mich aber auch an große Momente mit einzelnen Lehrern. Italienisch war sicher nicht mein bestes Fach, da hatte meine Professorin viel Spaß mit mir.“

Gemeinsam mit Klassenvorstand Prof. Valentin Blantar arbeiteten die Jugendlichen am Aufbau der Übungsfirmen. „Es gab noch keine Firmenräumlichkeiten wie heute, sondern nur einen Klassenraum. Trotzdem war es eine Grundsteinlegung für die Praxis-HAK.“ Lakounigg sieht sich also selbst als einen Zeitzeugen der Entwicklung, die bis heute andauert: „Was heute so gut läuft, war damals als ein fernes Ziel, als Vision schon vorhanden, die Vernetzung fehlte. Die Entwicklung der letzten Jahre hat hier noch einmal für einen großen Sprung gesorgt.“

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Mit Bürgermeister Valentin Blaschitz, Direktorin Michaela Graßler und Adalbert Janesch beim Wirtschaftstag 2018

Für den diesjährigen Jahresbericht nahm sich Lakounigg Zeit für ein Interview, in dem er auf seine eigene Laufbahn blickte, aber auch Aufgaben der Schule für Gesellschaft und Region ansprach. Ausgewählte Passagen lesen Sie hier:

Schulen nehmen für die gesellschaftliche Entwicklung eine Schlüsselrolle ein. Sie sind immer wieder in Ihrer früheren Schule zu Gast und halten Kontakt. Warum? 

Schule, Bildung, Aus-, Fort- und Weiterbildung – das bedeutet für mich Zukunft, für den Einzelnen, aber auch für die Gesellschaft. Mir liegt etwas an Völkermarkt, und für die Stadt und den Bezirk ist es enorm wichtig, den Bildungsstandort weiterzuentwickeln. Eine praxisnahe Ausbildung prägt besonders, eine zentrale Voraussetzung dafür ist eine funktionierende Kommunikation. Es braucht die Vernetzung, um einen Schneeballeffekt zu erreichen. 

Ist dabei die Praxis-HAK besonders in der Pflicht? 

Von einer Berufsbildenden Höheren Schule wird sicher besonders erwartet, dass Absolventen bereit sind, ins Berufsleben einzusteigen. Damit das wirklich gelingt, muss ihnen einiges geboten werden und dafür braucht es die Netzwerke, die Zusammenarbeit mit der Wirtschaft, mit der Politik, mit den Gemeinden und Vereinen. Da ist die HAK sicher gut aufgestellt. Es geht um ein globales Denken, um die Region voranzubringen und dabei auch über den Tellerrand hinauszuschauen. 

Jugendliche der Praxis-HAK gestalten immer wieder auch in Zusammenarbeit mit Betrieben und Vereinen umfangreiche Projekte. Welche Bedeutung messen sie dem bei? 

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Mit Zeugnis: Lakounigg im Völkermarkter Stadtratssaal

Für die Jugendlichen ist das sehr lehrreich, weil sie Arbeitsschritte in der Praxis aktiv erlernen und erfahren. Ich konnte zum Beispiel einmal ein Projekt der Schule mit dem Heunburgtheater einleiten, das dem Verein sehr geholfen hat. Es war aber auch für die Schüler eine tolle Chance, das Theater anders erleben zu können. Für mich waren Theater und Literatur im Deutschunterricht oft gelbe Heftl, die man nicht versteht und dann noch dazu interpretieren soll. Ich war aber in der Schulzeit sicher nicht der Typ Oberstreber (lacht).

Nur einen Steinwurf von der Praxis-HAK entfernt findet sich in Völkermarkt die Steuerberatungskanzlei Convisio. Ihr Mitbegründer und Gesellschafter Franz Slamanig drückte Mitte der Achtzigerjahre an Südkärntens Handelsakademie die Schulbank und kehrt heute immer wieder gerne an seine alte Wirkungstätte zurück. Beim alljährlichen Wirtschaftstag gibt er den Jugendlichen Einblicke in seinen Alltag, jedes Jahr erhält vorzugsweise eine Schülerin bzw. ein Schüler einen Praktikumsplatz in der Kanzlei. die mit rund fünfzig Mitarbeiter/innen an vier Standorten zu den größten in Kärnten zählt.

Im Interview – in gekürzter Form im Jahresbericht erschienen – berichtet Slamanig über seinen Werdegang.

Vom Absolventen zum führenden Experten und wichtigen Praxisgeber – Wie kam es dazu?

Nach der Matura studierte ich Wirtschafts- und Sozialwissenschaften mit den gefürchteten Schwerpunkten Revision, Treuhand und Steuerrecht. Das war die Basis meiner weiteren Karriere. Ich kam dann nach Kärnten zurück, wurde Berufsanwärter und nach den Prüfungen zum Steuerberater ernannt. 1999 habe ich voller Stolz mein erstes Taferl als Selbständiger aufgehängt. Heute ist unsere Kanzlei eine der größten in Kärnten.

Franz SlamanigGemeinsam mit Jochen Neubert haben Sie später Convisio gegründet. Mit welchem Ziel?

Nach dem Schritt in die Selbständigkeit ist die Kanzlei rasch gewachsen, ein Jahr später kam es zur Partnerschaft mit Jochen Neubert, die bis heute andauert. Der Name Convisio mit dem Slogan „refining business“ soll darauf hindeuten, dass wir unseren Kunden nicht ihr Geschäft erklären, es mit Visionen aber vielleicht noch verfeinern können. Wir sind sicherlich keine Wunderwuzzis, sondern normale Arbeiter, aber immer mit dem Anspruch, auch dann eine Lösung zu finden, wenn es auf den ersten Blick keine mehr gibt. Dafür lassen wir Ideen zusammenlaufen und bündeln Kompetenzen. Das ist das Rezept – und natürlich Arbeitseinsatz.

Wie sehr hat Sie die Schulzeit auf diesem Weg geprägt?

Die Praxisorientierung, die ich für sehr wichtig halte, gab es damals noch nicht. Ich hatte zum Glück eine große Schwester, die mir die Bedeutung von Soll und Haben früh erklärt hat, und mit Marian Schirnig einen Lehrer in Rechnungswesen, der mein Feuer entfacht hat. Insgesamt verbinde ich mit der Schule die Erinnerung, dass man uns nicht abgeschreckt, sondern ermutigt hat, Ziele zu verfolgen.

War es für Sie immer klar, die Völkermarkter HAK zu besuchen?

Das war es zunächst überhaupt nicht. Meine Schwester war natürlich ein wichtiger Faktor, aber zuerst wollte ich in die HTL. In Klagenfurt war aber kein Platz, nach Wolfsberg wollte ich nicht. Gleichzeitig war mir auch klar, dass ich nicht im Gymnasium bleiben wollte, weil mir schon die Unterstufe gezeigt hat, dass ich nicht das Sprachengenie bin, sondern dass meine Stärken im mathematisch-analytischen Bereich liegen.

Sie arbeiten auch immer wieder mit Schüler/innen. In welcher Form?

Jedes Jahr bieten wir einen Praktikumsplatz an, vorrangig für Jugendliche der Praxis-HAK Völkermarkt. Mehr als eine Stelle gibt es allerdings nicht, weil wir den Ehrgeiz haben, mit dieser Person dann auch intensiv zu arbeiten und ihr Erfahrungen zu ermöglichen. Schüler sollen möglichst viele Facetten kennenlernen, weil das Rechnungswesen für sie große berufliche Perspektiven bietet.

Heute ist die Digitalisierung in aller Munde. Wie sehr ist Ihr Bereich davon betroffen?

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Franz Slamanig (l.) mit Direktorin Michaela Graßler, Helena Wutscher-Grünwald und Ulrike Baum

Enorm – und wir, die täglich in diesem Feld arbeiten, bemerken es oft kaum. Deutlich wird es erst, wenn etwa eine Mitarbeiterin in Karenz geht und nach drei Jahren größte Schwierigkeiten hat, mit den Neuerungen in den einzelnen Programmen zurechtzukommen. In zwanzig Jahren hat sich alles verändert, mit den Behörden kommunizieren wir ausschließlich online. Früher haben wir Unterlagen beim Finanzamt noch ins Postkastl geworfen.

Gezittert wird deshalb um Arbeitsplätze. Was raten Sie jungen Menschen?

Die Veränderung ist nicht aufzuhalten, auch die Verarbeitung von Belegen übernehmen immer öfter Maschinen. Für junge Menschen heißt das, dass sie ein hohes Ausbildungsniveau und hohe Flexibilität mitbringen müssen, noch mehr als es bei uns der Fall war. Aber nicht nur die Technik ist ein Faktor, auch die inhaltlichen Fragen werden komplexer, zum Beispiel im Umsatzsteuerrecht. Die Halbwertszeit des Wissens schwindet, letzten Endes geht es aber vor allem um die richtige Haltung. Drei Stunden Arbeit am Tag reichen einfach nicht.

Sie haben eine sehr erfolgreiche, aber doch auch typische Laufbahn für einen HAK-Absolventen eingeschlagen. Welche Karrierewege Ihrer einstigen Kollegen haben Sie überrascht?

Da fallen fallen mir gleich zwei ein. Ein Klassenkamerad, mein bester Freund zu Schultagen, ist Pastor geworden, hat dafür Religionswissenschaften in England studiert und arbeitet heute im Sozialbereich. Eine meiner besten Freundinnen wiederum ist Psychotherapeutin und hat eine schöne Praxis in Wien. Diese Wege sind im Vergleich zu meinem sicher ungewöhnlich. Sie sagen, die HAK hat ihnen nicht geschadet, sie haben sich aber erfolgreich in eine andere Richtung entwickelt.

Als Michael Jesse kürzlich mit EU-Parlamentarier Eugen Freund die dritten Klassen besuchte, wurde eines schnell offensichtlich: Der Absolvent der Praxis-HAK Völkermarkt ist ein wahrer Weltenbummler. Bereits im Vorjahr gab er Lukas Kuchling und Philipp Wetzl, Schüler des Ausbildungsschwerpunkts Multimedia und Informationstechnologie, in einem ausführlichen Interview Einblicke in seinen Werdegang, der ihn nach der Reife- und Diplomprüfung im Jahr 1996 – Klassenkollege in der 5BK war unter anderem Völkermarkts heutiger Vizebürgermeister Markus Lakounigg – an die Wirtschaftsuni Wien führen sollte. Sie war für Jesse aber nur ein Zwischenschritt: „Ich habe immer groß gedacht. Das wollten andere vielleicht nicht, weil ihnen die Herausforderung zu groß war.“

Michael Jesse, Gründer des Softwareunternehmens RISQ und Absolvent der Praxis-HAK Völkermarkt 1996

Nach dem Studium konnte er sich unter tausenden Bewerbern beim Finanzdienstleister Reuters durchsetzen. „Schon beim Aufnahmeverfahren hat sich gezeigt: Egal, was du studiert hast, wer du bist, wo du herkommst – es zählt die Leistung.“ Für Reuters wirkte Jesse unter anderem in Genf, den USA, Singapur und Dubai, das Reisen zählt auch heute noch zum Alltag. „Ich bin ein Globalist, der sich schnell überall anpassen kann und heimisch fühlt. In manchen Phasen wusste ich aber nur an der Größe des Reisekoffers, ob ich nach Norden oder Süden unterwegs war.“ Mittlerweile wurde er in Velden am Wörthersee heimisch, agiert aber weiterhin weltweit. Jesse gründete das Start-Up RISQ, das vor allem im Nahen Osten und in Südostasien Bankensoftware verbreitet – und einen Firmenwert im Millionenbereich vorzuweisen hat. „Ich habe immer über das Regionale hinausgedacht und -das ist dann etwas außer Kontrolle geraten.“

Mutmacher für die nächste Generation: „Ihr steht auf der Bühne“

Wenn Jesse, der als Privatpilot auch in seiner Freizeit gerne abhebt, an seine frühere Schule zurückkehrt, beeindruckt er Schüler/innen, manche fühlen sich aber auch unter Druck gesetzt. Er relativiert: „Jeder hat das Potenzial, ich bin nichts Besonderes. Ich habe mir früh Ziele gesetzt und gemacht, was mir gefallen hat.“ An seine Schulzeit erinnert er sich gerne, wenn auch lieber an das analytische Denken in Mathematik als an Stenographie. „Die HAK war auf meinem Weg sicher der wichtigste Schritt, sie war der erste Puzzlestein. Heute noch mehr als damals ist die Schule aber gefordert, nicht nur Wissen für die Matura zu vermitteln, sondern Visionen vorzugeben und junge Leute dabei zu unterstützen, Ideen und Ziele zu entwickeln.“

„Ihr steht auf der Bühne, ihr seid die Darsteller.“

– Michael Jesses Botschaft an die HAK-Schüler/innen von heute

Letzten Endes sei aber doch der Einzelne am Zug, seine Träume zu verwirklichen und Chancen zu ergreifen – auch außerhalb der persönlichen Komfortzone. „Man kann nichts verlieren und immer zurückkehren. Dann sind die Leute eben ein wenig älter geworden und es gibt zwei, drei Häuser mehr. Aber es geht um die Gegenwart und nicht um das, was in dreißig Jahren sein könnte.“

Das Interview mit Michael Jesse finden Sie jetzt auf YouTube:

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Michael Jesse im Jahresbericht 2004